Frisch vom zermürbenden Aragon Grand Prix kehrte das MotoGP-Fahrerlager ins MotorLand zurück, um einen Testtag mit hohem Einsatz zu absolvieren. Unter der unerbittlichen Sonne und den sengenden 56°C auf der Strecke gingen die Teams mit ihren Maschinen und ihrem Verstand bis ans Limit, um Perfektion zu erreichen. Von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr abends war es ein akribischer Tanz der Technik und des Könnens – jede Tausendstelsekunde, jede Schraubeneinstellung zählte.
Marquez gibt das Tempo vor, doch Bezzecchi und Viñales sorgen für den Schock
Marc Marquez warf den Fehdehandschuh früh mit einer 1:45,749 hin. Es sah wie eine Statement-Runde aus – bis zu den letzten Minuten. Maverick Viñales fuhr auf seiner Tech3-Maschine eine blitzschnelle 1:45.694 und setzte damit eine neue MotorLand-Bestzeit. Nur 55 Tausendstel trennten Viñales, Bezzecchi und Marquez – das moderne Wettrüsten in der MotoGP war in vollem Gange.
Hinter dem Führungstrio verblüffte Fermin Aldeguer mit P4 und verdrängte damit den aufstrebenden Pedro Acosta. In den Top Ten befanden sich auch Fabio Quartararo, Alex Marquez, Pecco Bagnaia und Joan Mir – der trotz eines Rückstands von 0,7 Sekunden knietief im Test wichtiger Honda-Upgrades steckte.

Ducatis großes Verkleidungs-Dilemma und GP25-Basteleien
Bei Ducati war die Aufgabe klar: das Verkleidungspaket für Mugello fertig zu stellen. Marquez, Bagnaia und Di Giannantonio testeten den Prototyp, wobei Teamchef Davide Tardozzi unverblümt zusammenfasste: “Wenn es den Fahrern gefällt, behalten wir es. Wenn nicht, reparieren wir ihn.”
Es gab keine drastischen Änderungen am Chassis – die Stabilität stand im Vordergrund. Bagnaia, der von einem soliden Wochenende beflügelt wurde, nutzte die Session, um das Feedback der Bremsen zu verfeinern und die Komponenten der GP25-Suite zu überarbeiten.
Aprilias Upgrades gewinnen an Schwung, KTM zieht Parallelen zu Ducati
Aprilia war nicht untätig. Eine neue Windschutzscheibe, ein verbesserter Auspuff, Elektronik-Updates und ein von TrackHouse entwickeltes Fahrwerk brachten einen spürbaren Vorsprung. Bezzecchi lobte die Aerodynamik: “Das Paket funktioniert ziemlich gut.” Raul Fernandez hakte einige Verbesserungen ab, während Savadori sich auf die Funksysteme und die Elektronik konzentrierte.
KTM flirtete derweil weiter mit dem von Ducati inspirierten Design. “Wenn sie Ducati kopieren, ist das kein schlechter Zug”, witzelte Tardozzi. Viñales testete einen neuen Massendämpfer, um Vibrationen zu reduzieren, und Bastianini konzentrierte sich auf die Ergonomie des Sattels. Pol Espargaro absolvierte umfangreiche Tests mit dem komplett schwarzen Test-Setup von KTM.
Yamaha Tweaks, Hondas Carbon-Gamble und der Schatten der V4
Quartararo bekam einen leicht überarbeiteten Yamaha-Motor in die Hände. “Es ist kein großer Schritt, aber es gibt ein bisschen mehr Beschleunigung”, stellte er fest. Der schwer fassbare V4-Motor bleibt jedoch unter Verschluss – er ist für die Barcelona-Tests von Dovizioso, Fernandez und der Pramac-Crew vorgesehen.
Hondas Mir und Zarco testeten die lang erwartete Karbonschwinge aus Jerez. Zarco nahm kein Blatt vor den Mund: “Das ist das wichtigste Teil des Tages.” Es könnte die Rettungsleine sein, nach der Honda gesucht hat.
In der Zwischenzeit hat Michelin in aller Stille sein langes Spiel vorangetrieben: Ein breiterer und dennoch leichterer Vorderreifen, der für 2026 vorgesehen ist, wurde vorläufig getestet.

Abschließende Überlegungen: Mugello steht bevor, aber das technische Rennen ist bereits im Gange
Der Aragon-Test war mehr als nur eine Abkühlung nach dem Rennen. Er war ein rollendes Forschungs- und Entwicklungslabor, in dem die Hersteller mit Innovation und Zuverlässigkeit jonglierten und in dem Daten alles bedeuteten. Mit Blick auf Mugello wurden einige Karten aufgedeckt, aber die Trümpfe sind noch versteckt. Das nächste Kapitel der Meisterschaft verspricht ein Feuerwerk.