Luis Enriques kühne Behauptung fällt in Lissabon flach
Die 1:2-Niederlage von Paris Saint-Germain bei Sporting CP in der vergangenen Woche war nach Aussage von Luis Enriquedie beste Auswärtsleistung der Mannschaft, seit er 2023 das Amt übernommen hat. Eine merkwürdige Aussage, wenn man bedenkt, dass dieselbe Mannschaft in dieser Saison bereits in Barcelona gewonnen und Bayer Leverkusen mit 7:2 demontiert hat.
Die Zahlen gaben ihm Recht, zumindest auf dem Papier. PSG hatte mehr Ballbesitz, gab 28 Schüsse ab und drei Tore wurden wegen Regelverstößen aberkannt. Dennoch verließen sie Portugal mit leeren Händen, denn Luis Suárez erzielte einen späten Doppelpack.
“Wir hätten den Sieg verdient gehabt, aber so ist das nun mal im Fußball
Luis Enrique
Es war ein vertrautes Drehbuch. Die gleichen Schwächen in der Defensive und die Nachlässigkeiten im Abschluss, die PSG in der letzten Saison in der Champions League zum Verhängnis wurden, sind wieder aufgetaucht. Dann kam eine dramatische Wende, angetrieben von einem sauberen Abschluss und einer flüssigen Dreierkette, die das Team zu einem historischen Triple führte. Jetzt scheint der Angriff zu stagnieren und der Ballbesitz oft steril zu sein.
Verletzungen und Inkonsequenz stören den Spielfluss
Die Niederlagen in der Liga gegen Marseille und Monaco könnten als Produkte einer Verletzungskrise abgetan werden. Ousmane Dembélé, Desire Doué, Nuno Mendes und Achraf Hakimi verpassten den Herbst über weite Strecken. Doch die Niederlage in der Coupe de France gegen den Pariser FC Anfang des Monats deutete auf tiefere Probleme hin.
Ein seltener Lichtblick war der 4:3-Sieg gegen Lille, bei dem Dembélé mit einem waghalsigen Heber von der Strafraumgrenze aus traf. Doch in Lissabon und beim mühsamen 1:0-Sieg in Auxerre am vergangenen Freitag war die Verschwendungssucht wieder da.
“Wir haben viele Chancen herausgespielt, aber es fehlt uns ein wenig an Selbstvertrauen und Genauigkeit beim Abschluss
Luis Enrique
PSG steht an der Spitze der Ligue 1, aber die Form in der Champions League ist nicht gerade berauschend. In der Liga liegt man derzeit unter den ersten Acht, weit entfernt von den Heldentaten der letzten Saison. Das Fehlen eines echten Dreh- und Angelpunkts hat ihnen geschadet. Wenn Dembélé fit war, konnte er die Verteidiger aus dem Konzept bringen und unerbittlich Druck machen. In dieser Spielzeit hat seine Abwesenheit die Inkonsequenz der Spieler um ihn herum offenbart.
Ramos kämpft, um die Lücke zu füllen
Gonçalo Ramos sollte die Lösung sein. Der portugiesische Stürmer hat das Zeug zum Anführer, aber er tut sich schwer, sich durchzusetzen. Er spielt gut, wenn er sich tief fallen lässt, doch seine Abschlüsse sind unberechenbar und beschränken sich oft auf späte Einwürfe.
Die Förderung von Talenten aus der Akademie war eine gemischte Sache. Senny Mayulu hat sich vom Stürmer bis zum Rechtsverteidiger überall durchgesetzt, mit uneinheitlichen Ergebnissen. Ibrahim Mbaye, der gerade einen starken Africa Cup of Nations hinter sich hat, wirkte bei seiner Rückkehr etwas eingerostet. Warren Zaïre-Emery, der erst 19 Jahre alt ist, hat Hakimi in der Innenverteidigung gut vertreten, doch fehlt ihm die offensive Durchschlagskraft des Marokkaners.
Die bevorstehende Rückkehr vonHakiminach seiner Knöchelverletzung könnte für neuen Schwung sorgen. Seine Genesung würde auch eine Entlastung für Zaïre-Emery bedeuten, der an seine Grenzen stößt.
Müdigkeit, Neuverpflichtungen und die Last der Erwartungshaltung
Ein überfüllter Terminkalender hat nicht geholfen. Der PSG-Sommerwurde durch den Super Cup und die Klub-Weltmeisterschaft verkürzt, gefolgt von einer Reise nach Kuwait unter der Woche zur Trophée des Champions. Doch Luis Enrique wies die Müdigkeit als Ausrede zurück.
“Das ist alles nur Kopfsache. Wenn wir 5:0 gewinnen, ist niemand müde. Wenn wir verlieren, sind alle müde.”
Luis Enrique
Die Neuzugänge haben sich nur schwer eingewöhnen können. Lucas Chevalier hat sich gegen Matvey Safonov um den Platz im Tor gewehrt, aber seine Fehler in Lissabon, darunter eine Parade gegen Suárez, haben den Druck aufrechterhalten. Illia Zabarnyi, ein weiterer Neuzugang, wurde für sein passives Verteidigen kritisiert.
Luis Enrique hat seinen Spielern den Rücken gestärkt und den besonderen Druck, den das Spiel in Paris mit sich bringt, anerkannt.
“Das Erste, was ich neuen Spielern sage, ist, dass sie bei PSG vorsichtig sein müssen, denn in ihrer ersten Saison werden sie auf jeden Fall kritisiert werden
Luis Enrique
Das Spiel am Mittwoch gegen Newcastle ist eine Chance zum Neuanfang. Der Trainer hat mehr Autorität im Ballbesitz und eine bessere Verteidigung gefordert. Letztes Jahr stand PSG kurz vor dem Ausscheiden aus der Champions League, bevor es zu einer erstaunlichen Aufholjagd kam. Diesmal steht weniger auf dem Spiel, aber die Dringlichkeit ist genauso groß.
Da der Kader fast wieder vollzählig ist, muss der Europameister seinen Angriffsschwung wiederfinden. Ein weiterer schwacher Start könnte sich als kostspielig erweisen.
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