Die Amtszeitvon Max Eberl als Sportdirektor des FC Bayern, die bis zum Sommer 2027 läuft, steht angeblich auf wackligen Beinen. Die “Sport Bild” schätzt die Chancen auf eine Vertragsverlängerung über diesen Zeitpunkt hinaus auf 50:50. Das Kernproblem liegt dem Bericht zufolge darin, dass das Vertrauen zwischen Eberl und der Vereinsspitze auch nach zwei Jahren nicht vollständig vorhanden ist.
Kritik an der Entscheidungsfindung
Intern steht Eberl in der Kritik, den Aufsichtsrat nicht früh genug in wichtige Entscheidungen einzubinden – vor allem dann, wenn Ausgaben ab einer bestimmten Geldsumme von ihm genehmigt werden müssen. Außerdem wird dem ehemaligen Manager von Borussia Mönchengladbach nachgesagt, dass er Vertragsabschlüsse zu schnell durchsetzt. Diese Eile, so heißt es, könne manchmal zu finanziellen Nachteilen für den Verein führen.
Als Paradebeispiel wird der mögliche Verkauf von Flügelspieler Kingsley Coman an Al-Nassr genannt. Obwohl der Marktwert von Coman bei 30 Millionen Euro liegt, soll sich Eberl mit dem saudischen Verein auf eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro geeinigt haben. Diese Summe wurde von den Bayern-Verantwortlichen als zu niedrig erachtet, woraufhin Geschäftsführer Jan-Christian Dreesen nachverhandelte und Berichten zufolge 5 Millionen Euro zusätzlich kassierte. In anderen Berichten heißt es, Bayern habe 25 Millionen Euro im Voraus erhalten und zusätzlich 5 Millionen Euro an Boni.
Angespannte Beziehungen und Scouting-Zweifel
Die interne Streitkultur innerhalb der Bayern-Führung – eine gesunde Meinungsverschiedenheit zum Wohle des Vereins, die an die Zeiten von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge erinnert – bleibt bei Eberl eine Herausforderung. Zur Ungewissheit über seine Zukunft trägt auch bei, dass der Vertrag seines engen Mitarbeiters Nils Schmadtke, den Eberl als Scouting-Chef geholt hat, nur um ein Jahr bis 2027 verlängert werden soll, was mit Eberls eigenem Vertragsende übereinstimmt. Eberl selbst hätte sich einen längerfristigen Vertrag für Schmadtke gewünscht.
Anstehende Vorstandsdiskussionen und mögliche Nachfolger
Die Verträge der Vorstandsmitglieder sollen auf der Aufsichtsratssitzung im Mai diskutiert werden, die endgültige Zustimmung wird im August erwartet. Nach den Regularien des Klubs sind Vertragsverlängerungen mit Vorstandsmitgliedern in der Regel nur ein Jahr vor Ablauf ihrer aktuellen Verträge möglich. Während Eberls Vertrag 2027 ausläuft, gilt die weitere Zusammenarbeit mit dem 58-Jährigen für Dreesen als reine Formsache. Sollte Eberl gehen, sieht sich der Verein mit Geschäftsführer Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund, der ebenfalls für eine Verlängerung über 2027 hinaus favorisiert wird, gut aufgestellt.
“Bei den Bayern läuft es im Moment einfach zu gut. Jeder Eberl-Transfer war goldrichtig, er hat den verletzungsanfälligen Coman für gutes Geld losgeworden, er hat nach zahlreichen Absagen (an denen Eberl nicht schuld war) einen Top-Trainer geholt und er hat trotz des Verlustes etablierter Spieler und der Einsparung von Millionengehältern einen Champions-League-Teilnehmer aufgebaut”, kommentierte ein Fan und zeigte damit die öffentliche Verwirrung über die Kritik.
Sollte Eberl gehen, ist ein sofortiger Nachfolger unwahrscheinlich. Markus Krösche von Eintracht Frankfurt, der oft mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird, wird derzeit nicht als Kandidat gehandelt, obwohl er in Frankfurt eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen hat und den Wert des Kaders von 242 Millionen Euro auf 390 Millionen Euro ( 61 % ) steigern konnte. Im Gegensatz dazu ist der Gesamtwert des Kaders der Bayern seit Eberls Ankunft im März 2024 von 976 Millionen Euro auf 960 Millionen Euro leicht gesunken (ein Rückgang von 1,7 % ).
“Ich mag Eberl nicht einmal, aber ihn nicht zu halten, nachdem wir jahrelang Brazzo und Kahn hatten, wäre idiotisch, selbst für Hoeneß”, kommentierte ein anderer Fan.